Zum Inhalt springen

Wertschätzend kündigen Teil I

Wie sage ich es dem Low Performer?
1. Juli 2026 durch
Nina Müller

Es ist hart, aber manchmal bleibt dir keine Wahl. Ein D-Player entwickelt sich nicht und irgendwann passt es einfach nicht mehr. Dann heißt es: Trennung.

So klar die Entscheidung vielleicht ist, so schwer ist das Gespräch. Denn das ist nie einfach – weder für dich noch für die betroffene Person. Im Folgenden lasse ich alles arbeitsrechtliche außen vor, es geht in erster Linie um das Gespräch.


Vorbereitung der Kündigung ist ein Zeichen von Respekt

Auch wenn du innerlich schon durch bist - diese Person hat Zeit, Energie und Vertrauen investiert. Also bereite dich ordentlich vor.

Ich habe Kündigungsgespräche früher vor dem Spiegel geübt. Nicht nur die Worte sollten sitzen, sondern auch deine Haltung. Du sollst nichts vorspielen, aber du darfst zeigen, dass dir das nicht leichtfällt.

Wertschätzung zeigt sich in Mimik, Gestik, und Ton, nicht nur im Inhalt. Achte bei den Formulierungen unbedingt darauf, wertende Wort zu vermeiden.


Komm direkt auf den Punkt 

Sag im ersten Satz, worum es geht. Kein Smalltalk, kein Warm-up und keine Begründung vorab.

„Wir haben uns entschieden, getrennte Wege zu gehen. Du erhältst heute deine Kündigung.“ Punkt.

Alles andere kommt danach. Die Person hat vermutlich sowieso schon eine Ahnung und es ist nicht fair, sie zappeln zu lassen.


Rechtfertigung? Nein.

Wenn du in den Monaten vorher sauber nach Topgrading gearbeitet hast (siehe auch mein Artikel High Performance beginnt mit Klarheit), braucht es keine Erklärung mehr. Die Person weiß, dass es nicht läuft. Und wenn du jetzt doch versuchst, alles nochmal zu erklären bzw. zu rechtfertigen, machst du es schlimmer.

Das Gespräch ist nicht für dich. Es ist für dein*e Gegenüber. Damit die Person so gut wie möglich aus der Situation rauskommt.


Im Kündigungsgespräch nur das Nötigste 

Nenn das Kündigungsdatum, sag was organisatorisch wichtig ist und dann beende das Gespräch. Verschiebe alles Weitere in einen zweiten Termin. Glaub mir, in diesem Moment geht kaum etwas inhaltlich rein. Die Person braucht erstmal Zeit, mit der Information klar zu kommen. Sei dennoch vorbereitet auf alle Fragen, denn wenn die Person doch schon alle Details wissen möchte, solltest du sie auch mitteilen können.


Mit Anstand gehen lassen

Der schlimmste Moment: nach der Kündigung nochmal am ganzen Team vorbeilaufen, Sachen packen und womöglich Fragen beantworten. Gruselig!

Mach es besser. Überlege dir vorher, wie du diesen Übergang organisierst. Ruhiger Konferenzraum, nah am Ausgang. Gespräch vor Arbeitsbeginn oder kurz vor Feierabend. Geht es nur tagsüber, biete an, die Sachen zu bringen.


Darf ich online kündigen?

Mach’s so, wie ihr sonst auch arbeitet. Wenn ihr online arbeitet, macht sich die Person Gedanken, wenn sie plötzlich zur Arbeit zitiert wird. Und meine persönliche Erfahrung: Online-Kündigungen sind nicht herzlos, sie können sogar würdevoller sein. Niemand muss sich zusammenreißen, niemand muss durchs Büro. Einfach den Rechner aus – fertig. Triff die Entscheidung durchaus individuell, je nachdem was du glaubst, was die Person am meisten schätzen würde. 

Und wenn du noch Fragen hast, weißt du bestimmt schon wo du mich findest: hier einen Termin buchen.


Ich wünsche dir viel Erfolg bei allem was du tust! ❤️